AktivPlus e.V. zur Weiterentwicklung der EnEV

Der AktivPlus e.V. hält die weitere Verschärfung von Primärenergiekennwerten Qp und den wärmetechnischen Eigenschaften der Gebäudehülle HT‘ auf der Basis der bisherigen Berechnungsgrundlage für nicht zielführend. Diese Anforderungswerte sind wenig transparent, in der Praxis nicht nachprüfbar und können weder Bauherrn noch Nutzern verständlich vermittelt werden.

Vor dem Hintergrund der intensiven Auseinandersetzung mit zukünftigen Gebäudestandards in den letzten Jahren, empfehlen wir folgendes Vorgehen:

  1. CO2 statt Primärenergie

Die mit der Gebäudenutzung verbundenen CO2-Emissionen sollen zukünftig die aktuelle Bilanzgröße Primärenergie ersetzen. Damit lässt sich die Fortschreibung der Anforderungen an Gebäude direkt aus den Klimaschutzzielen der Bundesregierung ableiten.

  1. Gebäudeperformance

Die Gebäudeperformance erreicht im Betrieb häufig nicht die geplanten Auslegungswerte. Dies bleibt bei der bisherigen Herangehensweise weitgehend unberücksichtigt. AktivPlus e.V. fordert daher für alle Gebäude einen wiederkehrenden Performance-Check, der Auskunft über die erreichten Werte gibt. Dafür ist eine einfache und kostengünstige Vorgehensweise auf Basis ohnehin vorhandener Zähler und Erzeugerdaten zu entwickeln.

  1. Lebenszyklusbetrachtung

Der Energieaufwand im Gebäudebereich wird durch Erstellung und Rückbau sowie den Betrieb dominiert. Der Einsatz von Ressourcen sollte daher zukünftig Grundlage von Entscheidungen werden. Als geeignetes Werkzeug empfehlen wir die Betrachtung des Lebenszyklus weiterzuentwickeln, um den Aufwand für die Herstellung und die Betrachtung von Folgekosten für Instandhaltung und Betrieb bewerten zu können.

  1. Bilanz

Der Strombedarf für die Nutzerausstattung ist bei effizienten Gebäuden genauso hoch wie der Energiebedarf für Heizung und Warmwasserbereitung und sollte mit betrachtet werden.

  1. Änderung der Bezugsgröße

Die bisher verwendete virtuelle Fläche AN findet sich an keiner Stelle des Gebäudes wieder. Wir schlagen als Flächenbezug die Wohnfläche für Wohngebäude und die beheizte NGF für Nichtwohngebäude vor. Zusätzlich soll der Energiebedarf sowie die CO2-Emissionen bezogen auf die Anzahl Bewohner/Nutzer ausgewiesen werden. Damit fördern wir den Ansatz einer Suffizienz Bewertung.

Mit dieser Vorgehensweise lässt sich die Planung von Gebäuden technologieoffen, ganzheitlich und nachhaltig sowie energie- und kostenoptimiert umsetzen. Trotz der breiteren Betrachtung wird die Planung einfacher und übersichtlicher.

AktivPlus e. V. hat Werkzeuge und Anwendungshilfen erarbeitet, die eine schnelle, einfache und ganzheitlich optimierte Gebäudeplanung ermöglichen.

Energetische Aspekte betrachten nur einen Teil der Anforderungen an zukunftsfähige Gebäude. AktivPlus e.V. fordert insbesondere die Berücksichtigung von Komfort- und Behaglichkeitskriterien. Dazu gehören z.B. ein gesundes Raumklima, gute Tageslichtversorgung und eine einfache, verständliche Bedienung.

Die AktivPlus Methodik wurde in den letzten drei Jahren entwickelt und in 2015 einer Pilotphase an 20 Gebäuden erprobt. In der zweiten Jahreshälfte 2016 wird die optimierte Fassung der Öffentlichkeit vorgestellt.